Apfelsaftkeltern im Jugendhandwerkerdorf

veröffentlicht 19.10.2026 von Karl M. Wirthwein, Ev. Kirchengemeinde Worms-Innenstadt

Bericht aus der Zeitung

WORMS Mo., 19. Okt. 2026

Kinder keltern Apfelsaft

Von Karl M. Wirthwein

WORMS. Am letzten Wochenende der Herbstferien hat sich das

Jugendhandwerkerdorf im Wormser Wäldchen wieder in eine lebendige

Herzkammer traditioneller Handwerkskunst verwandelt. Im Mittelpunkt

stand das historische Apfelsaftkeltern, bei dem Kinder, Jugendliche und

Erwachsene hautnah miterleben konnten, wie aus heruntergefallenen

Früchten frischer, naturbelassener Saft entsteht.

Natürlich war im Jugendhandwerkerdorf so einiges los. Mit viel Liebe zum

Detail hatten die Jugendlichen eine komplette, historische

Produktionsstraße aufgebaut und zeigten die einzelnen Schritte der

traditionellen Saftherstellung. Felix Röß (12 Jahre) und Maxi Söhrich (10

Jahre) waren aktiv an den Keltertagen beteiligt und auch direkt vor Ort auf

der Streuobstwiese im Einsatz. Wenn die beiden Jungs über ihre Mithilfe

erzählen, leuchten ihre Augen. Insgesamt 16 Kinder waren vor Ort und Felix

erzählt nicht ohne Stolz, dass er sogar eine eigene Gruppe leiten durfte.

Die Streuobstwiese befindet sich in Herrnsheim, zu der die Gruppe in zwei

Bussen gefahren wurde. „Wir haben mit langen Stangen an den Bäumen

gerüttelt, damit die Ä

pfel zu Boden fallen“, berichtet Felix. Er war direkt an

der Kelter im Einsatz. Maxi und die anderen kümmerten sich um das

gründliche Waschen der Kelter und der Schrotter, damit alles hygienisch

bleibt und kein Schmutz in den Saft gelangt. Die gereinigten Ä

pfel wurden

im Anschluss geschreddert und danach in der Kelter ausgepresst. Der

fertige Saft – es sollen circa 70 Liter gewesen sein – wurde in Eimer und

Flaschen abgefüllt und teilweise abgekocht. Der frische Apfelsaft wird auf

dem Markt verkauft.

Im Verlauf des Gesprächs mit Felix und Maxi kommen noch Maximilian (13

Jahre) und Melina (8 Jahre) hinzu. Auch die beiden haben das Ernte-Team

kräftig unterstützt und einen tiefen Einblick in den Ernteprozess gegeben.

Bei den gesammelten Ä

pfeln habe es sich ausschließlich um Fallobstgehandelt, das von der Streuobstwiese aufgesammelt wurde und sich

optimal für die Verarbeitung eignet, erzählen sie. Auch sie haben sich

gefreut, hautnah miterleben zu dürfen, wie die Ä

pfel für die Saftgewinnung

geerntet werden. Natürlich hat das Wissen um das Keltern auch einen

großen pädagogischen Wert. Felix und Maxi erzählen, dass sie durch die

Aktion die verschiedenen für die Verarbeitung eingesetzten Geräte

kennengelernt haben, wie zum Beispiel die Schredder und die Kelter. Die

meisten dieser Maschinen kannten sie vorher noch gar nicht und haben sie

das erste Mal vor Ort gesehen.

Am Montag beginnt wieder die Schule – freuen sie sich darüber? Die

Antwort kommt prompt: „Nein, keine Lust. Ein paar Tage länger Ferien

wären besser gewesen.“ Die Arbeit im Handwerkerdorf macht

augenscheinlich mehr Spaß.

„Die Idee zu den Keltertagen im Tiergarten entstand um das Jahr 2000“,

sagt Margarethe Daumann, eine ehrenamtliche Helferin. Dem damaligen

Gemeindepädagogen Karl-Wilhelm Krumm wurde damals eine alte Kelter

vermittelt und die wollte natürlich eingesetzt werden. Daraus ist die

Grundidee zu dieser Aktion entstanden, berichtet Daumann.