Jahreslosung: Siehe, ich mache alles neu

veröffentlicht 12.01.2026 von Sophia Schäfer, Ev. Kirchengemeinde Worms-Innenstadt

Predigt zum Jahrestag der Fusion unserer Ev. Kirchengemeinde Worms-Innenstadt am 11.1.26 in der Lukaskirche

Gnade sei mit euch und Frieden von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Ein neues Jahr liegt von uns – wem ich es noch nicht gesagt habe: Frohes Neues! Schön Sie alle wiederzusehen nach den Feiertagen, nach ein paar ruhigeren Tagen, ein neues Jahr.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… so sagt man, so haben wir es vor 2 Jahren auch gesagt. Neugierig waren wir, etwas unsicher, vielleicht auch skeptisch. Anfang Januar 2024 haben wir zur Fusion unserer Innenstadtgemeinde Wegweiser zusammengesetzt zu einem Stern. Heute steht er hier und ist weitergezogen. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass er sich verändert hat? Sein Holz ist etwas dunkler geworden, wärmer die Farbe, voller neuer Erfahrungen. Diese Erfahrungen sind an Weihnachten in der Magnuskirche auch noch anders sichtbar geworden. Kleine rote Glitzersterne auf unserem Stern stehen für all die Sternstunden, die Sie und ich ganz persönlich, aber auch wir gemeinsam erlebt haben. Sternstunden.

Die großen Jubiläen der Dreifaltigkeitskirche, der Lukaskirche und der Friedrichskirche, von denen die Ausstellungen noch immer Zeugnis ablegen und sichtbar sind, auch hier im Vorraum, falls das jemand noch nicht gesehen hat. Die kleinen Sterne erinnern uns an die vielen großen Feste letztes Jahr, Pfingsten mit der Kirchenpräsidentin, große und schöne Konzerte, besonders in der Dreifaltigkeitskirche, der Friedrichskirche und der Lukaskirche, unser Mitarbeiterfest, der Weltkindertag… und neben allen spektakulären großen Veranstaltungen erinnern sie uns auch an einzelne, schöne, bewegende Begegnungen. Ich denke zum Beispiel daran, wie liebevoll die Dekanin den Vorstand des Fördervereins „Wir für Magnus“ geehrt hat, der nun mit der Auflösung des Vereins sein Mandat niederlegte: Renovierung geschafft. Oder ich denke an die Konfirmation im Mai, bei der einige Konfis am Schluss gesagt haben: Schade, dass unser Jahr vorbei ist, es war so schön hier.

Unser Stern ist nun auch schon zum zweiten Mal auf die Reise gegangen um uns neu Orientierung zu geben. Er führt uns nicht nur zusammen, sondern er richtet unseren Blick auf Gott. An Weihnachten, hier ist noch schön geschmückt, sind wir an der Krippe angekommen. Nun zum neuen Jahr sagt uns Gott durch die Jahreslosung: Siehe, ich mache alles neu. 

Alles neu! Also alles alles? Moment, darüber muss ich kurz nachdenken. Ich glaube, das will ich eigentlich gar nicht. Alles neu heißt ja auch alles Alte weg. Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Und so haben wir es hier mit unserer Fusion auch nicht gemacht. Im Gegenteil: die geistlichen Erfahrungen aus den früheren Gemeinden bilden das Fundament für unsere gemeinsame Zeit. Denn siehe, ja, schauen wir mal genauer hin: so viel schönes haben wir von einander kennen gelernt und miteinander zusammengetragen. Der Flötenkreis spielt zum Beispiel Anfang Februar mal hier in der Magnuskirche. Im Rosengarten gab es plötzlich neue Prediger und auch neue Gäste aus Worms bei der Kirche im Grünen. In der Friedrichskirche haben endlich mal wieder Jugendliche aus dem Altarraum gesprochen und der Abendgottesdienst war immer mal so voll, dass wir Stühle dazustellen mussten. In der Lukaskirche sprechen die Konfis den Psalm mit der Gemeinde und das wird nun auch woanders gemacht. Und in der Dreifaltigkeitskirche war nach längerem mal wieder groß Konfirmation. Der Kirchenvorstand trifft sich zur Zeit in großer Runde und hat sogar mit einigen sehr Engagierten ein Kirchenasyl organisiert. Der Sternbote und die Website geben endlich wieder Auskunft über unser Gemeindeleben, auch für Außenstehende und Neugierige. Das Jugendhandwerkerdorf hat sich neu aufgestellt und dutzende Aktionen sind wieder super gut gelaufen, der Apfelsaft fließt in Strömen und Brot und Pizza gebacken haben wir auch.

Viel ist passiert. Vieles hat sich verändert. Das Rote Haus und unser Büro ist noch ein bisschen kleiner geworden und es gibt weiter viel zu tun. Manches und manche Menschen vermissen wir auch, einige sind nicht mehr da.         Vieles ist auch gleich geblieben und so manche Angst hat sich zerschlagen, dass kaputt geht, was jahrelang, jahrzehntelang, mit Liebe, Glaube und Geduld aufgebaut wurde. Nein, die Liebe bleibt, die Beziehungen bleiben und der Mut, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, auch. Es kommen auch neue Gesichter dazu, jüngere, ältere, Neugierige, Tatkräftige, Suchende.

Wir finden zueinander, wenn Gott sagt: siehe, ich mache alles neu. Nicht: wir stellen alles auf den Kopf. Sondern: Gott Geist wirkt neues Leben in uns. Gott haucht uns neue Kraft ein, weil unsere Kirche am Ende kein Heimatverein, sondern eine Gemeinschaft der Glaubenden ist. Wir glauben, dass Gott mit uns etwas vorhat. Dass sein Geist uns belebt und Gutes hervorbringt. Dass Gottes Liebe in uns wirkt, uns tröstet, uns aufbaut und neuen Mut schenkt.

Siehe, ich mache alles neu, spricht Gott. Klammert euch nicht an die guten alten Zeiten, die es niemals gab. Immer gibt es Herausforderungen und immer schenkt uns Gott neue Kraft sie zu bewältigen. „Die auf den Herrn trauen, finden neue Kraft.“ So heißt es bei Jesaja 40.

Gott ist bei uns und noch so viel mehr. Gott, der gestern, heute und morgen zusammendenken kann wie sonst niemand. Gott, die Ewige, der Gerechte, die Liebe, der Retter, der Anfang und das Ende, die Weisheit, das Licht der Welt. Das ist unser Mittelpunkt und soll es immer sein.

Es ist nicht alles leicht, wenn Menschen zusammen kommen und es bleibt auch bei uns eine Spannung. Wie geht es weiter mit uns? Wer sitzt hier in 10 Jahren zusammen? Oder in 5? Wir wissen es nicht. Gott schon. Gottes Liebe und Gottes Geist tragen uns weiter. Gott hält an uns fest. Nicht an dem, was war, sondern an dem, was ist. Gott hält an dem fest, was bleibt und was weiterleben, was sich weiter entwickeln soll. Das, was uns ausmacht und was uns verbindet. Unsere Liebe, unser Glaube und unsere Hoffnung. Mehr braucht es nicht um einen Schritt vor den anderen zu setzen. Denn siehe, spricht Gott, ich mache alles neu, immer und immer wieder und immer weiter. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft und Wahrheit, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.